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19. Informationstagung zur Betrieblichen Gesundheitsförderung


BGF: Investition Gesundheit


Unternehmen fliegen auf Betriebliche Gesundheitsförderung!

Der Stellenwert von Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) als wesentlicher Baustein für den sozialen und wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens wächst fortwährend. Auf Einladung der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse zum Flughafen Graz diskutierten am 2. Oktober 2014 rund 300 Teilnehmer/innen aus ganz Österreich die neuesten Entwicklungen.


Der 19. Informationstag des Österreichischen Netzwerkes für Betriebliche Gesundheitsförderung (ÖNBGF) stand im Fokus der wissenschaftlich evidenten Wirksamkeit von BGF und des damit verbundenen Wertschöpfungspotentials. Anerkannte Expertinnen und Experten sowie Firmenvertreter/innen informierten praxisnahe über die lohnende Investition in die Gesundheit. 


Univ.-Prof. Dr. Holger Pfaff setzte sich mit ganzheitlichen Kennzahlensystemen zur Erhöhung des Wertschöpfungspotentials der Mitarbeiter/innen auseinander, ohne dadurch individuelle Folgeprobleme zu verursachen. Für die Einführung eines ganzheitlichen Kennzahlensystems, benötigt es Ziel- und Stellgrößen, um Ursache-Wirkungszusammenhänge zu erhalten, sowie es Ressourcen- und Belastungskennzahlen als auch objektive und subjektive Kennzahlen braucht. Bei der Wahl angemessener Kennzahlen sind jedoch die Unternehmen gefragt. Sie müssen sich im Klaren darüber sein, was sie mit der Umsetzung von Betrieblicher Gesundheitsförderung erreichen wollen und somit Ergebnisziele definieren. Wie sie diese erreichen wollen, wird mit der Definition von Prozesszielen herausgearbeitet, und in welcher Form diese erreicht werden sollen, kann durch Strukturziele überprüft werden. Erfahrungsgemäß möchten Unternehmen wenige Kennzahlen einsetzen, umso besser sollten diese deshalb gewählt werden. In einem solchen Fall betont Univ.-Prof. Dr. Pfaff die Relevanz von gut definierten Ergebniszielen, um deren Erreichen adäquat evaluieren zu können.  


Dr. Claudia Pieper stellte erste Ergebnisse des IGA-Report Nr. 28 vor, der Ende dieses Jahres veröffentlicht wird. Dabei handelt es sich um eine Darstellung des Forschungsstandes zur Wirksamkeit von Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Die zusammengefassten Ergebnisse weisen darauf hin, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen im Betrieb, positive Effekte auf die Gesundheit von Arbeitnehmer/innen aufzeigen.  Eine evidenzbasierte Ableitung von Handlungsleitfäden ist aktuell auf Grund von einer sehr heterogenen Studienlage, methodischen Schwächen, unterschiedlichsten Branchen und somit Zielgruppen nicht realisierbar. Dr. Pieper empfiehlt gerade in diesem Bereich eine gute Forschung, die ebenso die gelebte Praxis berücksichtigt.  


Als Überraschungsgast sorgte Dr. Hannes Pratscher mit Übungen aus dem Bewegungsprogramm „Mitarbeiter/innen bewegen Mitarbeiter/innen“ für eine bewegte Überleitung zum letzten Vortrag am Vormittag.  


Dr. Christian Scharinger, MSc hielt der Zuhörerschaft wie gewohnt humorvoll und pointiert den Spiegel vor Augen. Einerseits werden Indikatoren einer (betriebs-) wirtschaftlichen Messbarkeit als Legitimation für BGF herangezogen und andererseits sind das Lernen aus Erfahrungen der beteiligten Akteur/innen von ebenso großer Bedeutung. Er zeigte relevante Bedenken auf, wenn es um die Einbindung von rein theoretischen Kennzahlen in der Praxis der Betrieblichen Gesundheitsförderung geht. 


In den Vertiefungsmodulen widmeten sich die Teilnehmer/innen drei Themenbereichen. Unter der Moderation von Mag. Christoph Heigl, beschäftigte sich Dr. Christian Scharinger, MSc mit dem „Absentismus“ von Mitarbeiter/innen. Darunter ist die Abwesenheit auf Grund der inneren Einstellung und Motivation zu verstehen. Im Gegensatz dazu befasste sich Mag. Dr. Gerich mit dem Thema des „Präsentismus“, das Verhalten, trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung arbeiten zu gehen. Für manche Vorgesetzte mag diese Handlungsweise der Mitarbeiter/innen auf den ersten Blick positiv erscheinen, Daten belegen jedoch, dass trotz problematischer Messbarkeit, im Vergleich zu Absentismus letztlich stärkere Produktivitätsverluste verursacht werden. Fazit: Fehlzeiten können in einem Unternehmen im Rahmen von BGF nie als einzige Kennzahl herangezogen werden, da Präsentismus Berücksichtigung finden muss und somit die Aussagekraft von Fehlzeiten eingeschränkt ist.  Parallel dazu sorgten Dr. Paul Jiménez, Mag. Michaela Höfer und Dr. Anna Geroldinger unter der Moderation von Hildegard Heinke, BA für theoretische und praktische Konkretisierungen, wenn es um eine gemeinsame Umsetzung von BGF mit der Evaluierung psychischer Belastungen in Unternehmen geht.  


Im dritten Modul wurde die Betriebliche Gesundheitsförderung im Unternehmensalltag beleuchtet. Die Moderatorin Mag. Christina Finding, MSc befragte Unternehmensvertreter/innen und erfahrene BGF-Praktiker/innen – Mag. Josef Luipl, Viktor Wratschko und Caroline Wretschko – bezüglich Herausforderungen, Stolpersteinen und Erfolgsfaktoren in der Umsetzung von BGF. Einig waren sich alle BGF-Umsetzer/innen darin, dass Nachhaltigkeit in der BGF von großer Bedeutung für das Unternehmen ist und dass es treibende Kräfte benötigt, um diese gewährleisten zu können.  


Wir bedanken uns bei den zahlreichen Besucher/innen und hoffen, dass Sie den Tag ebenso genossen haben wie die Mitglieder des Österreichischen Netzwerkes für Betriebliche Gesundheitsförderung.


Flughafen Graz


Flughafen-Graz








Begrüßungs- und Eröffnungsrunde
Mag. Verena Nussbaum (Obfrau der STGKK)
HR Mag. Andrea Hirschenberger (Generaldirektorin der STGKK)
Josef Pesserl (Präsident der AK Steiermark)
Mag. Stefan Spitzbart, MPH (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger)
Dr. Klaus Ropin (Leiter des Fonds Gesundes Österreich)
Mag. Christoph Heigl (Koordinator des Österreichischen Netzwerkes für BGF)


Ehrengaeste_2.










v.l.n.r: Klaus Ropin, Josef Pesserl, Verena Nussbaum, Andrea Hirschenberger, Stefan Spitzbart, Christoph Heigl


Vorträge


Das fachkundige Publikum folgte interessiert den Referaten …     


Publikum_3










… von führenden Expertinnen und Experten im deutschsprachigen Raum: Univ.-Prof. Dr. Holger Pfaff, Dr. Claudia Pieper und Dr. Christian Scharinger, MSc.


Holger_Pfaff














„Ganzheitliche Kennzahlensysteme zur Erhöhung desWertschöpfungspotenzials der Mitarbeiter/innen“
Univ.-Prof. Dr. Holger Pfaff (Universität zu Köln)


Claudia_Pieper














„IGA-Report Nr. 28: Wirksamkeit und Nutzen BetrieblicherGesundheitsförderung – eine Darstellung der wissenschaftlichen Evidenz“
Dr. Claudia Pieper (Universitätskilikum Essen)


Christian_Scharinger














„Zur Wirksamkeit von BGF – Erfahrungen aus Theorie und Praxis“
Dr. Christian Scharinger, MSc (Gesundheitssoziologe und Organisationsberater)


Dr. Hannes Pratscher sorgte mit Übungen aus dem Bewegungsprogramm „Mitarbeiter/innen bewegen Mitarbeiter/innen“ für eine aktive Pause


MbM











... und 300 Gäste probierten das „Ein-Minuten-Rückenprogramm“!


Vernetzen


Vertiefungsmodule


Modul 1
„Absentismus und Präsentismus messen – Hintergründe scheinbar harter Gesundheitsdaten“
Dr. Christian Scharinger, MSc (Gesundheitssoziologe und Organisationsberater)
Mag. Dr. Joachim Gerich (Johannes Kepler Universität Linz)Moderation: Mag. Christoph Heigl (OÖGKK)



Modul 2
„BGF und die Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen – wie ist eine optimale Kombination möglich?“
Dr. Paul Jiménez (Karl-Franzens-Universität Graz)
Mag. Michaela Höfer (research-team)Dr. Anna Geroldinger (Arbeitsinspektorat Graz
Moderation: Hildegard Weinke, BA (Bundesarbeitskammer)



Modul 3
„BGF im Unternehmensalltag: Erfahrungsaustausch mit steirischen Vorzeigebetrieben“
Mag. Josef Luipl (BÖHLER Edelstahl GmbH & Co KG)
Maria Wonisch, MBA (Steiermärkische Bank und Sparkassen AG)Viktor Wratschko (Eurotransline Holding GmbH
Caroline Wretschko (Flughafen Graz Betriebs GmbH)
Moderation: Mag. Christina Finding, MSc (STGKK)



Abschlussplenum